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Ein Schweizer in Singapur

Hallo. Mein Name ist 000’001. Meine Farbe ist grau, bin ein Spezialbehälter aus Kunststoff mit verschiedenen Unterteilungen und werde für automatisierte Lagersysteme eingesetzt. In der Schweiz wurde meine Familie 2012 bekannt, als ein Online-Händler sein automatisches Lager in Betrieb nahm.

Meine Vorfahren sind aus dem Basismaterial HDPE, auch bekannt als Polyethylen. Ich bin aus PP oder ausgeschrieben Polypropylen. Die Temperaturen sind schuld, dass sich mein molekularer Aufbau verändert hat. Sie haben meine Vorfahren unglaublichen Strapazen ausgesetzt, bis ich entstanden bin. Aber lassen Sie mich die Geschichte von A bis Z erzählen.

Eine Firma im asiatischen Raum baute unter der Regie eines Schweizer Generalunternehmers in Singapur ein automatisiertes Lager. Insgesamt benötigten sie 68'003 Behälter, in denen sie ihre Ware verstauen und bis zur Kommissionierung aufbewahren können. Für die Produktion dieser Behälter wurde die Georg Utz in Bremgarten beauftragt. Diese hatte bereits jahrelange Erfahrung mit dieser Art von Behältern.

So weit so gut. Nur ist Singapur nicht die Schweiz. Der Transport von der Schweiz nach Asien auf einem Containerschiff ist kein Zuckerschlecken. In den Transportcontainern kann es gerne mal bis 70 Grad heiss werden. Das ist, wie wenn Sie Ihren Sonntagsbraten bei Niedertemperatur im Ofen garen. Es gibt angenehmere Temperaturen, das können Sie mir glauben.

Roger Käser, Produktverantwortlicher bei der Firma Georg Utz AG, wollte genau wissen, wie sich ein Behälter aus dem Basismaterial HDPE unter Hitze verändert. Dafür wurde einer meiner Vorfahren in eine Klimazelle gesteckt. Den Temperaturregler stellte Roger Käser mal auf 60 Grad, mal auf 80 Grad und das während eines ganzen Monats. Denn so lange dauert ungefähr die Reise auf dem Containerschiff. Mein Vorfahre überlebte die Tortur, aber er verformte sich. Diese Abweichung war zu gross für die automatisierte Lagerverwaltung. Dort zählt jeder Millimeter – schon eine kleine Deformierung kann das ganze System gefährden.

Was tun? Das fragten sich Roger Käser und seine Kollegen auch. Das Material muss eine ähnliche Dichte aufweisen, darf sich aber bei Hitze bis 80 Grad nicht verformen. So entstand ich: ein Kunststoff-Behälter aus PP. Meine Geburt war heiss und fand unter Hochdruck statt. Im wahrsten Sinne der Worte: Bei 230 Grad und mit 1000 bar Druck wurde ich geformt und von einem Roboter, ich nenne ihn liebevoll Daddy, aus der Spritzgussmaschine entnommen und schnell abgekühlt. Anschliessend wurde ich auf einer zusätzlichen Abkühllehre in die perfekte Form gebracht. Ich wurde auf den Namen 000'001 getauft und auf dem Stapelrand entsprechend gekennzeichnet.

Daraufhin testeten sie mich auf Herz und Nieren. Die hohen Temperaturen in der Klimazelle machten mir keine Schwierigkeiten – ich mag das Niedergaren. Ich blieb in Form und die Firma Georg Utz AG bekam die Produktionsfreigabe. Ein Erfolg auf der ganzen Linie, denn nun wurden meine Schwestern und Brüder, insgesamt 68'002, in Serie hergestellt.

In einem Logistikzentrum wurden wir zwischengelagert. Dann konnte die Reise nach Singapur beginnen. Nach einem Monat erreichten wir unseren Bestimmungsort. Die Fahrt war zwar nicht luxuriös, aber das habe ich auch nicht erwartet. Hier in Singapur kann ich mich endlich meiner Bestimmung widmen. Ich bewahre verschiedene Güter auf, bis diese kommissioniert werden. Das macht einen Heidenspass und ich bin viele in Bewegung.

Zum Schluss bedanke ich mich bei meinem Hersteller für meine Entstehung, die interessante Reise und die vielen neuen Eindrücke. Er hat es mir als Kunststoff-Behälter ermöglicht, die Schweiz in Singapur zu repräsentieren. In Zukunft wird es keine Transporte nach Asien geben. Alle weiteren Kunststoff-Behälter für den asiatischen Raum werden in China von der Georg Utz Materials Handling (Suzhou) Co., Ltd. hergestellt. So kann der Transportweg verringert werden, was der Umwelt zugutekommt.

Herzliche Grüsse aus Singapur
Ihr Utz-Behälter 000’001

(Storytelling mit businessmind.ch)